St. Christopherus in Tiefurt

Text: Ilja Claus
Fotos: Ilja Claus
Grundriss: Axel Deuer

Bau- und Reparaturgeschichte

Die Ortschaft Tiefurt liegt etwa drei Kilometer nordöstlich von Weimar. Die Kirche des Dorfes befindet sich an prominenter Stelle auf einer Anhöhe über der Ilm.
Eine erste Kirche mit Pfarrei wird mehrfach zwischen 1254 und 1257 genannt, unklar ist dabei, ob die genannte Kirche mit der heutigen identisch ist. Der aktuelle Bau stammt aus dem frühen 16. Jahrhundert, wobei wahrscheinlich ältere Teile eines Vorgängerbaus einbezogen wurden.[1] Am Turm findet sich eine Bauinschrift, welche diesen auf das zweite Jahrzehnt des 16. Jahrhunderts datiert: „an[no] d[omini] xvc x[?]“[2] In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts, zwischen 1715 und 1725, wurde die Kirche umgebaut, wobei vor allem Portale und Fenster barockisiert wurden. Der Innenraum erhielt die heutige Ausgestaltung mit einer Holztonne, dem Pyramidenaltar und den Emporen. 1877 wurde eine Turmuhr installiert. 1980 bis 1982 erfolgten Restaurierungsmaßnahmen. Weitere Reparaturen wurden 1996 nötig, bei denen Dach und Fenster repariert, und die Fassade neu angestrichen wurde.[3]2000 wurde die Orgel umfangreich restauriert, repariert und ist seitdem wieder bespielbar.[4] 2010 musste die Kirche aufgrund akuter Einsturzgefahr des Dachstuhls geschlossen werden, 2011 erfolgte der vollständige Neubau des Daches unter Beibehaltung der alten Dachform und der Brettertonne.[5]

 

Baubeschreibung

TiefurtDie Kirche in Tiefurt besteht aus einem im Westen liegenden Turm und dem sich östlich anschließendem Schiff.
Das rechteckige Schiff mit dreiseitigem Chorabschluss besteht aus verputztem Bruchsteinmauerwerk mit Ortsteinen im Chorbereich. Das Schiff ist mit einem im Osten polygonal abgewalmten, ziegelgedeckten Satteldach, mit jeweils drei Dachgauben auf der Nord- und Südseite, gedeckt. Auf der Nordseite finden sich in der Fassade zwei barocke Rechteckfenster aus der Zeit des Umbaus von 1715–1725. Die Südseite verfügt über drei solcher Rechteckfenster, ein Eingangsportal mit darüber befindlicher Bauinschrift von 1725 sowie über eine überdachte Außentreppe, welche den Zugang zur Empore ermöglicht. Rechts des Portals findet sich eine Gedenktafel für die Gefallenen des Ersten und Zweiten Weltkriegs. Außerdem sind in der Außenfassade mehrere Sakramentsnischen vermauert.

Der Innenraum wird von der, für das verhältnismäßig kleine Schiff, großen, im Süden und Norden zweistöckigen, im Westen einstöckigen, Empore bestimmt. Die teils mit Farbe marmorierten, sonst schmucklosen Holzpfeiler tragen die Empore und die darüber liegende Holztonne. Die Emporen sind mit Darstellungen von Heiligen und den Evangelisten bemalt. Die Ausmalung und auch der Pyramidenaltar wirken in ihrem Gesamtbild wie eine stark verkleinerte Ausgabe der Kirche in Niedergrunstedt, jedoch ist diese erst 1728/29 ausgemalt worden.[6] Die Arbeiten in Tiefurt führte Johann Ernst Rentsch, d. Ä. durch.[7] Nach seinem Tod 1723 ließ sich dann womöglich sein Sohn Johann Ernst Rentsch, d. J. bei der Ausführung seiner Arbeit in Niedergrunstedt von dem Vorbild seines Vaters inspirieren. Beiden Kirchen zu Grunde liegt aber das Vorbild der Weimarer Schlosskapelle von 1658, welche jedoch 1774 bei einem Brand vollständig zerstört wurde.[8]

Im Westen befindet sich die Orgel, vermutlich aus dem 19. Jahrhundert.[9] Sie ist mit zahlreichen geschnitzten Verzierungen, so zum Beispiel stilisierten Pflanzenranken, zwei Engelsgesichtern und diversen Voluten versehen. Im Osten des Schiffs schließt sich nahtlos der Chor an, im Westen findet sich ein spitzbogiger Zugang zum Turmerdgeschoss, ein weiterer Zugang befindet sich im ersten Stock hinter der Orgel.

Ferner sind noch die im Innenraum befindlichen Zuganker zu nennen, welche an der Außenwand und zusätzlich an den Emporen ansetzen und so effektiv ein auseinanderdriften der Außenmauern verhindern. Ein ursprünglich im Übergang vom Chor zum Schiff befindlicher Zuganker ist heute nur noch durch eine in der nordöstlichen Außenwand übergebliebene Klammer nachzuvollziehen, der eigentliche Zuganker fehlt.

Der im Osten liegende Chor wird von dem bereits erwähnten Pyramidenaltar bestimmt. In der Basis tragen vier, einer Palme nachempfundene, Holzpfeiler eine Plattform, auf welcher ein pyramidenförmiger Aufbau ruht, darin eingefügt befindet sich die Kanzel. Die fünf nach außen weisenden Seiten zeigen Darstellungen von Moses, Jesus Christus und Johannes dem Täufer. An der Unterseite des Schalldeckels über der Kanzel ist eine von einer Sonne umgebene Taube zu sehen. Darüber ist auf einem ovalen, von Lorbeer gefassten Gemälde die Auferstehung von Jesus Christus zu sehen. Das Bild wird von zwei Putten links und rechts flankiert. Die Pyramide wird von drei weiteren Putten nach oben hin abgeschlossen, der oberste hält einen hölzernen Strahlenkranz, in dem mittig in hebräischer Schrift JHWE steht.

Dem Kanzelaltar vorgesetzt ist ein wohl gotischer Steinaltar, welcher fünf Weihkreuze trägt. Heute zugesetzte Öffnungen im Stein dienten früher womöglich zum Einsatz eines Retabels.[10]

Der im Westen liegende Turm mit annähernd quadratischem Grundriss und einer Fläche von 5,17 x 5,23 Metern ist gegenüber dem Schiff deutlich schräg versetzt. Das heute vollständig verputzte Mauerwerk besteht aus Bruchstein und ist an den Ecken durch Ortsteine gefasst, Müller sah diese noch 2005 unverputzt.[11] Der Turm wird durch umlaufendes Gesims in zwei Etagen eingeteilt. An der West- und der Südseite befinden sich mehrere kleine Maueröffnungen, wobei die unteren über vorgelegte, schmiedeeiserne Läden verfügen. Im Glockengeschoss befinden sich in drei Himmelsrichtungen jeweils eine Schallöffnung. An der Nordseite ist ein Korbbogen verbaut, an der Süd- und Westseite[12] ist je ein spitzbogiges Fenster mit Maßwerk verbaut. Der Turm wird von einer achteckigen, verschieferten Haube mit aufgesetzter Laterne abgeschlossen. An der Südseite befindet sich eine Turmuhr mit vergoldeten, römischen Ziffern.[13] Die Wetterfahne stammt aus dem Jahr 1986.Der Zugang zum Turm erfolgt über die im Schiff befindlichen Portale. Das Erdgeschoss ist durch ein Kreuzgratgewölbe von den anderen Geschossen abgetrennt.

 

Bewertung

Die St. Christopheruskirche in Tiefurt steht heute ausgezeichnet da. Nach der 2010 dringend nötigen Sanierung des Dachstuhls, verfügt die Kirche aktuell über keine bautechnischen Probleme. Die Zuganker aus dem vorigen Jahrhundert fangen die Last des Daches offensichtlich immer noch ausreichend ab. Die Tiefurter Kirche ist täglich für Besucher offen und lädt zum Verweilen ein. Weiterhin liegt die Tiefurter Kirche am Feiningerradweg und ist damit sowie über den benachbarten Tiefurter Schlosspark in das touristische Konzept der Stadt Weimar gut eingebunden.

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  1. [1]Vgl.: Thüringisches Landesamt für Denkmalpflege (Hrsg.), bearbeitet von Rainer Müller: Stadt Weimar; Altenburg 2009; S. 1057.
  2. [2]ebd.
  3. [3]Vgl. ebd.
  4. [4]Vgl. ebd. S1059.
  5. [5]Vgl. Kirchen Kreis Weimar, Weimar III-Tiefurt; In: http://www.kirchenkreis-weimar.de/kirchenkreis/pfarraemter-und-gemeinden/weimar/weimar-3/tiefurt/
  6. [6]Siehe dazu der Artikel zur Kirche in Niedergrunstedt.
  7. [7]Vgl. Müller, Rainer, Weimar 2006; S. 1058.
  8. [8]Vgl. ebd. S. 1006.
  9. [9]Vgl. ebd. S. 1059.
  10. [10]Vgl. ebd. S. 1058.
  11. [11]Vgl. ebd. S. 1057.
  12. [12]Anm: Das Maßwerk war laut Müller 2005 im südlichen Fenster gar nicht mehr vorhanden und im Westen stark beschädigt. Dies kann Stand 2014 nicht mehr bestätigt werden.
  13. [13]Müller sah diese noch 2005 verblasst.

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