St. Trinitatis in Legefeld

Text: Axel Deuer
Fotos: Ilja Claus, Axel Deuer
Grundriss: Axel Deuer

Ortsgeschichte

Legefeld liegt südsüdwestlich von Weimar auf der sogenannten Gelmerodaer Platte. Der Ort liegt südlich der Autobahn 4 und wird von der Bundesstraße 85 durchquert, die nach Weimar und Bad Berka führt. Westlich des Dorfes konnte durch Lesefunde die Wüstung Ebersroda nachgewiesen werden.[1]

Legefeld selbst wird erstmals im Jahre 1290 urkundlich erwähnt.[2] Es taucht in einer Urkunde des Volrad von Kranichfeld für das Kloster in Oberweimar, als „Lenvelt“ auf. Dieser Name kann sprachlich wohl als Leinfeld, also als Flur oder Feld an der Berglehne gedeutet werden. Im 14. Jahrhundert wurden auch mehrfach die Herren von Legefeld erwähnt, die Ministerialen der Grafen von Weimar-Orlamünde waren. Insgesamt ist in Legefeld der grundherrliche Besitz im Mittelalter für die Grafen von Weimar-Orlamünde, des Klosters Ettersburg, des Klosters Oberweimar, des Schottenklosters zu Erfurt und der Herren von Legefeld, nachgewiesen. Somit wird deutlich, dass die Besitzverhältnisse in Legefeld im Mittelalter von unterschiedlichster Struktur waren.[3]

In der Neuzeit waren die Besitzverhältnisse geordneter. So gehörte die Ortschaft Legefeld bis 1850 zum Amt Weimar. Der Justizamtsbezirk Weimar übernahm bis 1879 die Verwaltungshoheit. Ab diesem Jahr war der Amtsgerichtsbezirk Weimar für Legefeld zuständig. Im Jahre 1994 wurde Legefeld zusammen mit Holzdorf nach Weimar eingemeindet und rückt durch diese Begebenheit in das Blickfeld dieser Arbeit.[4]

Baubeschreibung

Aus einer Flurkarte aus dem Jahre 1873 wird ersichtlich, dass das Straßendorf Legefeld in eine nach Südwesten geöffnete Quellmulde eingebettet ist. Die Straße ist gekrümmt und weitet sich in der Dorfmitte platzförmig. Die Kirche St. Trinitatis befindet sich selbst am östlichen Zugang zur Straße, an einer nach Norden abzweigenden Sackgasse. Sie liegt also am östlichen Rand der Siedlung und wird von einem ummauerten Friedhof umgeben.[5]

LegefeldBei der Kirche St. Trinitatis in Legefeld handelt es sich um eine spätbarocke Chorturmkirche ausdem Jahre 1789.[6] Sie wurde aus Bruchsteinen errichtet und außen nur teilweise verputzt. Im Osten schließt sich an den Turm eine Leichenhalle an, die aufgrund des verwendeten Baumaterials vermutlich erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts entstanden ist. Der westlich an den Turm anschließende Saalbau ist durch drei Fensterachsen gegliedert und hat Zugänge an der Süd- und Westseite. Fenster und Türen sind rechteckig und weisen scharrierte Steingewände auf.[7]

Legefeld_Nordseite (Medium)
Ansicht: Kirchenschiff

Der südliche Zugang befindet sich unter der mittleren Fensterachse. Er wird von einem neunteiligen Fenster bekrönt. Die übrigen Fenster an der Nord- und Südwand weisen eine Zwölfteilung auf. Der Zugang an der Westwand weist ebenfalls eine Fensterbekrönung auf, in diesem Fall allerdings ein zehnteiliges Fenster. Die Türblätter des südlichen Zugangs sind außen mit geschnitzten Rocaillen verziert, was wiederum auf die Erbauungszeit schließen lässt.[8] Das Kirchenschiff wird von einem mit Biberschwanzdachsteinen gedeckten Mansarddach abgeschlossen. Die turmabgewandte Westseite weist eine obere Walmung des Mansarddaches auf.[9]
Die eingefügten Satteldachgauben zeigen dieselbe axiale Anordnung wie die Fenster des Kirchenschiffes. Diese wurden zur Beleuchtung des Innenraumes und vor allem zur Beleuchtung der oberen Emporenetage angebracht.

Legefeld_Turm_1 (Medium)
Ansicht: Chorturm

Der im Grundriss annähernd quadratische und in das Kirchenschiff eingezogene Chorturm wurde ebenso wie das Kirchenschiff aus Bruchsteinen errichtet. Er weist allerdings an der Ostseite die Verwendung von Ortsteinen auf. Der Turm hat die äußere Kantenlänge von 5,75 Meter. Wobei die Nord- und Südseite bereits nach 4,94 Metern auf das Kirchenschiff treffen. Der Chorturm setzt außerdem leicht versetzt zur Mittelachse an das Kirchenschiff an. So ist der Saalbau nach Norden 1,25 Meter breiter als der Turm, nach Süden lediglich 1,1 Meter. Im Turmerdgeschoss kann eine Fensterachse in Nord-Südrichtung beobachtet werden. Da es sich hierbei um baugleiche Fenster wie im Kirchenschiff handelt, kann hier möglicherweise von einer Weiterführung der Fensterachsen des Saales gesprochen werden. Im Turmmittelgeschoss ist lediglich jeweils an der Nord-, Ost- und der Südseite ein kleines Schlitzfenster oder auch ein Lichtschlitz angebracht worden. Das Glockengeschoss verfügt an allen vier Seiten über flachbogige Schallöffnungen mit trapezförmigen Scheitelsteinen und hervortretenden Schlusssteinen. Die aufgesetzte achtseitige Turmhaube endet in einem geschweiften Spitzhelm und wurde verschiefert. In der Wetterfahne wurde das Jahr der Fertigstellung der Kirche, 1789, festgehalten.[10]

Die Ausstattung des Innenraumes,[11] der die Ausdehnung von 6,4 Meter auf 13,70 Meter und eine ungefähre Mauerstärke von 0,80 Meter aufweist, stammt zum größten Teil noch aus der Erbauungszeit. Die Farbgebung stammt allerdings aus der Zeit der letzten Restaurierung aus dem Jahre 1987.[12] Diese ist in Grün-, Weiß- und Ockertönen gehalten. Das Kirchenschiff wird von einer korbbogigen Brettertonne überspannt. Diese Decke wurde in einem Blauton gestaltet um die Illusion des freien Himmels zu erzeugen. Der Kirchensaal gliedert sich an der Nord-, Süd- und Westseite durch Doppelemporen, die an der Westseite des Schiffes mit Treppenaufgängen zu erreichen sind. Als Sicherung der Aufgänge dient ein Brettbalustergeländer, das sich bis in die zweite Emporenetage fortsetzt. Auch vor den Fensteröffnungen ist diese Form des Geländers zu beobachten. Die Orgel aus dem Jahre 1842 ist auf der oberen Empore an der westlichen Seite angebracht.[13] Die Doppelempore selbst stützt sich auf insgesamt zehn Holzständer im Innenraum des Schiffes und wurde in Mauernischen in den Außenwänden verankert. Ein weiterer Blick sollte auch auf die Konstruktion der Gewölbedecke aus Holz gerichtet werden. Bei dieser Konstruktion lagert die Decke und die Dachkonstruktion auch auf den Emporenstützen und nimmt somit die Auflasten der Dachkonstruktion auf und leitet den Auflagerdruck direkt über die Emporenstützen in den Untergrund ab. Somit werden auf die Seitenwände des Kirchenschiffes nur noch der Kämpferdruck und der Seitenschub des Gewölbes übertragen.

In der Südostecke des Kirchenschiffes ist auf der ersten Emporenebene in einer verglasten und somit vom restlichen Kirchensaal abgegrenzten Loge das Herrschaftsgestühl erhalten. Diese Loge ist auch farblich akzentuiert und hebt sich durch die Verwendung eines Rottones vom restlichen Gestühl der Kirche deutlich ab. Außerdem gliedert sie sich durch vier Pilaster mit korinthischen Kapitellen, die von einem verkröpften Gesims abgeschlossen werden. Diese Art der Wandgliederung erinnert an den barocken Palastbau und sollte wohl den herrschaftlichen Anspruch der Personen in diesem Teil des Gestühls verdeutlichen. Ein gesonderter Zugang von außen, oder ein gesonderter Treppenaufgang in die Loge ist allerdings nicht zu beobachten. Das hölzerne Gestühl im Erdgeschoss ist im westlichen Teil der Kirche einreihig ausgeführt. Auf Höhe des südlichen Eingangsportales ist ein zweireihiges Gestühl angebracht worden.

Der Chorraum befindet sich im Turmerdgeschoss und ist um eine Stufe vom Kirchenschiff erhöht. Er ist mit einer Flachdecke überspannt[14] und weist die Innenmaße von 4 Meter auf 3,70 Meter auf. In Relation mit den Außenmaßen des Chorturmes kann somit von einer ungefähren Mauerstärke von 0,90 Meter ausgegangen werden. Durch einen runden Triumphbogen, der die westliche Turmwand öffnet, ist der Chor mit dem Kirchensaal verbunden.[15] Die Schildmauer über dem Bogen trägt ein gemaltes Christogramm mit den flankierenden Buchstaben A und Ω.
Der Kanzelaltar wird als liturgisches und raumprägendes Ausstattungsstück vom Chorraum beherbergt. Er zeichnet sich durch einen über dem Holzaltar angebrachten Kanzelbau aus, der wohl aus dem Ende des 18. Jahrhunderts stammt.[16]

Baugeschichte

Aufgrund der nahezu vollständigen Zerstörung des mittelalterlichen Baus der Kirche in Legefeld als Folge eines Dorfbrandes im 18. Jahrhundert, ist über diesen nur sehr wenig bekannt. Es muss allerdings ein Vorgängerbau existiert haben, da ein Pfarrer erstmals im Jahre 1313 erwähnt wird.[17] Im Zuge der faktischen Auflösung der Grafschaft Weimar-Orlamünde wechselte das Patronatsrecht zu den Wettinern. Possendorf, Holzdorf und die heutige sogenannte Feiningerkirche in Gelmeroda gehörten 1533 zur Pfarrei Legefeld. Bei einem Brand im Jahre 1665 erlitt der Vorgängerbau Schäden, die allerdings behoben werden konnten. 1701 wurde die Kirche grundlegend umgebaut und vergrößert.[18] Diese neu gestaltete Kirche fiel 1788 erneut einem Dorfbrand zum Opfer. Es kann allerdings angenommen werden, dass aufgrund der sehr kurzen Erbauungszeit der jetzigen Kirche, die bereits zwei Jahre später, nämlich 1790, geweiht wurde, die Grundmauern und mögliche erhaltene Umfassungsmauern einbezogen und für den Neubau genutzt werden konnten. Somit ist es möglich indirekt auf die ungefähre Größe und Gestalt des Vorgängerbaus zu schließen.[19]

Legefeld_Bauinschrift (Medium)
Detail: Bauinschrift

Seit der Weihung durch Gottfried Herder 1790 erfuhr die Kirche in Legefeld mehrere Renovierungen. So lässt die bauinschriftliche Jahreszahl 1841 an der südlichen Ostseite des Kirchenschiffes auf eine erste Renovierung schließen. In den Jahren 1890 und 1891 hat man das komplette Kircheninnere, beziehungsweise Teile des Gestühls, neu gestrichen. Das Dach des Kirchturmes wurde 1905, einschließlich der Wetterfahne, erneuert. Eine komplette Renovierung erfuhr St. Trinitatis in den Jahren 1908 und 1909. Unter der Leitung des Weimarer Architekten Max Stark wurde in diesem Zuge wohl auch die östliche Leichenhalle an den Turm angebaut. Auch das Dach von Schiff und Turm wurden um 1980 erneuert. Sieben Jahre später erfuhr der Innenraum eine malerische und gestalterische Neufassung durch Horst Jährling. So präsentiert sich die Innenausstattung in dieser Farbgebung bis in die Gegenwart.[20]

Legefeld_Dränage (Medium)
Detail: Drainage

Aus der Bau- und Renovierungsgeschichte von St. Trinitatis in Legefeld, geht hervor, dass an der Kirche seit ihrer Erbauung am Ende des 18. Jahrhunderts durchgängig Reparatur- und Renovierungsarbeiten erfolgten. Durch die lückenlose Instandsetzung des Daches und der Fenster konnte keine Feuchtigkeit das Innere der Kirche gefährden. Durch regelmäßigen Anstrich blieb die zumeist hölzerne Ausstattung aus der Erbauungszeit fast komplett erhalten. Den regelmäßigen Instandsetzungsarbeiten, die ohne die ursprüngliche Bausubstanz und Ausstattung zu zerstören, durchgeführt wurden, ist also der allgemein sehr zufriedenstellende Zustand des Bauwerkes zu verdanken.

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  1. [1]vgl. Thüringisches Landesamt für Denkmalpflege (Hrsg.), bearbeitet von Rainer Müller: Stadt Weimar; Altenburg 2009, S. 990.
  2. [2]Vgl.: Kahl, Wolfgang: Ersterwähnung Thüringer Städte und Dörfer bis 1300, Ein Handbuch, Erfurt 1996, S. 44.
  3. [3]Vgl.: Müller, Rainer; Altenburg 2009; S. 990.
  4. [4]vgl. ebd. S. 990.
  5. [5]Vgl: Müller, Rainer; Altenburg 2009; S. 990.
  6. [6]Vgl.: Eißing, Stephanie (Bearb.): Thüringen (Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler, Georg Dehio), München u.a. 2003, S.752.
  7. [7]Vgl. Müller, Rainer; Altenburg 2009, S. 991.
  8. [8]Vgl. Müller, Rainer; Altenburg 2009, S. 991.
  9. [9]Eißing, Stephanie; München 2003, S.752.
  10. [10]Vgl. Müller, Rainer; Altenburg 2009; S. 991.
  11. [11]Vgl. ebd. S. 991
  12. [12]Vgl. ebd.
  13. [13]Vgl. ebd. S. 992
  14. [14]Vgl. ebd. S. 991
  15. [15]Vgl. ebd.
  16. [16]Vgl. ebd.
  17. [17]Vgl. ebd. S 990.
  18. [18]Vgl. ebd. S. 991
  19. [19]Vgl. ebd.
  20. [20]Vgl. ebd.

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